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von Thorsten

„Grenzen gibt es nur im Kopf“ steht auf der Rückseite der Finisher-Medaille. Brocken-Challenge 2018. Mein erster Ultralauf. Faszinierend. Beeindruckend. Unbeschreiblich. Wo soll ich anfangen? Eine chronologische Beschreibung gibt das Unvergessliche nicht wieder – und trotzdem, ich fange vorne an.

Die Vorbereitung

Das Starterfeld ist auf 150 bis 180 Teilnehmer beschränkt. Ich musste mich bewerben. Habe ich getan – ohne über die Konsequenz nachzudenken. Das kann ich ja machen, wenn ich ausgelost werde. So geschehen Anfang Dezember. Zunächst wusste ich gar nicht damit umzugehen. Ist es eine sportliche Herausforderung oder nur etwas völlig Verrücktes, was ich eher für mich behalten sollte? Es verging die erste Woche. Dann habe ich es testweise mal meinem Trainer erzählt. Martin hat das sofort ernst genommen und mir Mut zugesprochen. Das war der Auftakt zur Vorbereitung. Die Zeit war nicht mehr lang – 9 Wochen bis zum Lauf. Ich habe mich konsequent an dem Plan des Trainers orientiert. Laufen! In der Spitze 100 km in der Woche. Grandios waren die letzten beiden Wochenenden wo ich bei meinen langen Läufen von Vereinskollegen abwechselnd begleitet wurde.

Je näher der Lauftermin kam, umso spannender wurden die Blicke auf die Wetterprognose. Wie hoch liegt der Schnee? Wie sind die Temperaturen?

Am Freitag, 8. Februar ging es zum Wettkampfbriefing nach Göttingen. Alleine über diesen Abend lässt sich schon einiges Schreiben. Denn die Brocken-Challenge ist etwas ganz besonders und das hat man gemerkt. Der Lauf wird komplett ehrenamtlich organisiert. Das Startgeld ist eine 100%ige Spende zugunsten wohltätiger Organisationen. Und dann ist da natürlich der Termin im Februar. Mittlerweile bereits die 15. Challenge und die Wetterbedingungen sind jedes Mal komplett anders. Die Brocken-Challenge ist mehr als ein Ultralauf – sie ist eine Herausforderung.

BC01

Ich hatte Glück mit dem Wetter. Leichte Minusgrade. Bis zum Harzrand (die ersten 40 km) schneefrei. Ab Barbis wurde der Schnee immer mehr. Auf einer weichen Schneedecke zu laufen ist zwar wesentlich anstrengender als auf Asphalt, zum Glück war der Untergrund jedoch so fest, dass man nicht bei jedem Schritt zentimetertief im Schnee versunken ist. Der Hochnebel versperrte zwar die Sicht auch den blauen Himmel, die Winterlandschaft im Harz war aber traumhaft.

Die ersten 40 Kilometer

BC02Am Sonnabend, ab 5 Uhr gab es mitten im Göttinger Wald -in einem rustikalen Tanzsaal- Frühstück. Um 6 Uhr war der Start. Mit Stirnlampe und Rucksack mit Notfallausrüstung. Durch den Göttinger Wald. Die ersten Kilometer waren rechts und links des Weges mit brennenden Fackeln beleuchtet.

Man unterhält sich beim Laufen!! „Leider“ hatte ich das Glück direkt neben Florian Reichert zu laufen. Ein Göttinger Sportlehrer, erfahrener Trailrunner, begleitet im Sommer ein Laufcamp in Chamonix. Die Gespräche waren kurzweilig und interessant. Wir liefen vorweg! Bis Kilometer 30. Dann wurde es zunehmend hügeliger und ich Flachländer hatte keine Chance mehr dran zu bleiben. Erst nach dem Lauf habe ich festgestellt, dass mein „Laufpartner“ Streckenrekordhalter und Seriensieger der Brocken-Challenge ist. Schaut euch sein Facebook-Profil an – sehr sehenswert.

Beim Verpflegungspunkt bei Kilometer 42 standen Petra und Martin. Das war schön. Mit meiner VIEL zu schnellen Marathonzeit von 3:30 Stunden war uns allen klar – DAS KANN NICHT GUT GEHEN. Naja, erst mal verpflegen. Crossschuhe anziehen. Denn ab jetzt ging es in den Schnee UND bergauf.

Die zweiten 40 Kilometer

Ab jetzt wird es ein „Ultra“ stand auf einem Schild an der Strecke. Doch dann wurde es extrem! Der Streckenabschnitt ab Barbis wurde in der Wettkampfbesprechung „Entsafter“ genannt. War das zunächst nur ein Wort, bekam ich nun zu spüren was es bedeutet! Entsafter – im Schnee ging es bergauf – NUR BERGAUF.

Und jetzt fing das an, was den Ausdauersport so besonders macht. Du musst kämpfen und musst dich konzentrieren auf deine positiven Gedanken und dennoch kommt das Tief. So schnell! Der Grat zum Aufgeben ist winzig. Verpflegungspunkt km 53. Es gab ihn. Keine Selbstverständlichkeit, denn es führt keine befahrbare Straße dorthin. Er war aber zunächst meine Rettung. Heiße Brühe, heißer Tee. 5 min Krafttanken. Dann ging es weiter. Und es ging „besser“ weiter. Der Kopf hatte gesiegt. Ich genoss die Landschaft, hatte Spaß über den Schnee zu laufen. Ich hatte meinen „langsamen“ Trott gefunden. Es macht einen froh und stolz -bereits in dieser Phase des Rennens- wenn man einen Teilsieg errungen hat. NACH EINEM TAL KOMMT IMMER AUCH EIN BERG. Hier nicht ganz bildlich gemeint.

BC03Leider war der Akku meines Telefons mit „Live Standort“ schneller leer als gedacht. Petra und Martin konnten nicht mehr sehen, wo ich bin. Sie warteten am Verpflegungspunkt Kilometer 63 lange auf mich. 2:45 Stunden habe ich für die 20 km von Barbis zum VP 63 benötigt. Und wieder war es sehr schön die beiden zu sehen – nach so langer Zeit. Heiße Brühe, dickere Handschuhe und weiter ging es. Bergauf! In der schönen Winterlandschaft des Harzes. Die Stimmung an dem letzten Verpflegungspunkt vor dem finalen Brockenaufstieg war locker. Ich fühlte mich mental sehr stark, obwohl ich die Füße kaum noch voreinander bekam. 8 Stunden war ich jetzt schon unterwegs. Die letzte Stunde –nur noch eine Stunde bergauf, nur noch eine Stunde bergauf.

Petra und Martin waren auf den Brocken gewandert und empfingen mich. Überglücklich war ich. Unvorstellbar. Ich hatte es geschafft. 80 Kilometer, 2.000 positive Höhenmeter in 9 Stunden und 3 Minuten. „Grenzen gibt es nur im Kopf“.

Die Rückkehr

Jeder Läufer wurde von einem kleinen Empfangskomitee im Ziel begrüßt. Trotz Kälte und Wind. Dann sofort in den Goethesaal. Hier wurde jeder mit Applaus empfangen. Gänsehaut. Florian Reichert war übrigens wieder der Erste. Heiß geduscht. Gemeinsam etwas gegessen. Und dann? Rucksack auf den Rücken und wir drei sind wieder hinuntergewandert. 7 km bis zu Martins Bus nach Oderbrück. Vorbei an den Läufern, die bei mittlerweile einsetzender Dunkelheit ihren Kampf auf den Brockengipfel noch vor sich hatten.

Auf der Rückfahrt habe ich dann noch völlig überwältigt die unzähligen Nachrichten gelesen, die mir übermittelt wurden. So viele Menschen, die Anteil an meinem Lauf genommen haben, so viele die in Gedanken bei mir waren – das war sehr schön. Vielen Dank!

Und vielen Dank auch an Olaf, einen Freund aus der alten Heimat Mackenrode, der in der Nähe von Göttingen wohnt. Die erste Morgendämmerung zeigte sich am Himmel, wir liefen gerade aus einem Waldstück heraus, da stand er vor mir und hat mich angefeuert – bei der Tageszeit natürlich alleine auf weiter Flur.

Und ein ganz großes Dankeschön natürlich auch an Petra und Martin – und an Leni für ihre stolze Umarmung als Sie mich wieder in die Arme geschlossen hat.

Die Brocken-Challenge. Etwas wirklich Grandioses.

   
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