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von Henning

Am 16.06.19 ging es für mich in Kleinstadtidylle und toller Landschaft am Arendsee an den Start zur Halbdistanz.

Am Donnerstag vorher beim Freiwasserschwimmen hatte ich mich mit Thorsten unterhalten, ich fragte Ihn nach seinem nächsten sportlichem Wettkampf. Wie der hieß hab ich vergessen, jedoch nicht, dass der Lauf 6000 Höhenmeter hat.
Ich würde mal sagen, bei einer Bergwanderung bin ich noch nicht über 1500 Höhenmeter am Tag gekommen. Geschweige denn, dass da irgendwas mit Laufen dabei war.
Das Gespräch endete mit den Worten „... man muss es auch wollen.“.

Bei der Betrachtung meiner letzten sieben Monate Training war abzusehen, dass für mich die Halbdistanz nur mit Durchhalten zu schaffen sein wird. Getragen von der Hoffnung, dass auf wundersame Weise irgendwas von der Grundfitness des letzten Jahres übrig war.

Ob ich überhaupt starten soll oder nicht, konnte ich bis zuletzt selber nicht genau sagen. Nur 2 Läufe über 10 km in 2019 und keine Radfahrt länger als 45 km.
Am Pfingstmontag, der letzten Radausfahrt, kam mir der Gedanke klare Grenzen für mich zu setzten, ob ich starte und wenn ja, wie ich das Rennen gestalten muss, um überhaupt anzukommen.

Pacing: Vergiss jeglichen falschen Ehrgeiz, das einzige Ziel ist anzukommen.
Schwimmen: in meinem Fall egal, das bekomme ich hin // Rad: 180 Watt Durchschnitt anpeilen (ergibt bei mir ca. 28 Schnitt) // nach Möglichkeit keine längeren Spitzen höher als 230 Watt // Laufen: 10-12 km (6:40 min/km und alle Verpflegungen und Hügel gehen) sollten drin sein, und dann schauen wir mal wie „schön“ die letzten km werden. Ich muss damit leben, dass ich mit ca. 6:30 Std. o. 6:40 Std. reinkommen werde.

Start j/n : nur bei „perfekten“ Bedingungen: Windstärke, egal welche Richtung unter 12 Km/h und Temperaturen unter 25 Grad. Das hieß am Sa. Abend losfahren, um so zu vermeiden, dass zum schon langen Wettkampf auch noch 3 Std. Anfahrt kommen. Abends im Auto gepennt und morgens um 7 Uhr bei der Anmeldung. Wechselplatz eingerichtet, Wettkampfbesprechung angehört und dann ging es ca. 500 m zur Bucht am See wo der Start erfolgen sollte. 

Leider werden die Halbdistanzler nicht mir dem Raddampfer „Queen Arendsee“ zum Schwimmstart gefahren im Gegensatz zu den Qlympischen- und Volksdistanzlern.

ArendseeQueenLeider war das Wetter perfekt!

Wie immer sehen 1900 m am See ganz schön lang aus. Der Raddampfer gibt das Startzeichen und los geht es. Vier Bojen im Rechteck galt es zu umschwimmen. Schwimmen ist für mich heute die einzige Disziplin wo ich sicher weiß, dass mir das Spaß macht. Sonntagmorgens bei Sonnenschein in einem großen See schwimmen ... ist schon schön. 40 Minuten später ist es geschafft. Immerhin ein drittel vom Wettbewerb hab ich schon hinter mir.
Ab in die Wechselzone und nach luxuriösen neun Minuten rauf aufs Rad. Die Achterbahn der Gefühle eines Triathleten beginnt. Die ersten 10 km „.. ach das läuft, wird schon passen...“ 5 km weiter „... puhh noch zwei Runden wird doch anstrengend“ und so weiter und so weiter. Vollgesperrte Bundesstraße, top Asphalt und eine 30 km lange einfach zu fahrende Wendestrecke, ich hatte noch genug Energie um mich zu langweilen.
Positiv war, dass sich meine Pacing-Vorgaben ganz natürlich einstellten.
Endlich letzte Runde. Noch ein paar spannende Momente ergaben sich beim Umfahren des letzten Wendepunkts. Wie viele Fahrer sind noch hinter mir und wie weit sind sie weg. Reicht der Abstand auch bei meiner zu erwartenden langsamen Laufzeit. Ich zählte noch vier Fahrer hinter mir.
Auf den letzten km der Radstrecke waren die Gedanken positiv, ich war konservativ gefahren und hatte gefühlt noch genug Energie gespart um das Laufen zu schaffen (3 Std. 5 Min.).

Zweiter Wechsel: Während ich mir die Füße tapte, gab der Erste direkt neben meinem Wechselplatz sein Siegerinterview. Danke dafür :). Ich hoffe wirklich, dass das keiner gefilmt hat, da ich keine 2 Meter weiter beim Wechsel in die Laufhose blank zog. Auf zum Lauf.

ArendseeHenningLauf„So jetzt noch 21 km laufen. Wie mach ich das bloß gedanklich?* Die Vorstellung jetzt einen Halbmarathon zu laufen war zu groß. Ich entschied mich für die gute alte Salamitaktik. Nur von Verpflegungsstation zu Verpflegungsstation denken. Alle 2,5 km „Pause“, Mensch 2,5 km das geht doch.
Dass ich die erste 10km-Runde laufe war recht schnell klar. Leider schwebte immer die Wolke über mir, dass da auch noch die zweite Runde kommt. Egal erst mal die erste Runde rumbekommen. Netterweise hat die tolle Laufstrecke am Ende noch eine kleine Schleife inkl. 20 Höhenmeter als Extra. Egal, geht schon.

Zum Start der zweiten Laufrunde kommt man am Start-Zielbereich vorbei. Ein paar Hundert Meter davor wurde mir zugerufen „.. gleich geschafft. Die paar Meter zum Ziel noch...“ . Ich hatte Zeit, den netten Herren lächelnd zu informieren, dass ich noch eine 10km-Runde laufen müsste. An der nächsten Verpflegungsstation wurde ich von den Freiwilligen Helfen gefragt, ob hinter mir noch einer kommt oder sie abbauen können.
Ich lachte und sagte, dass genau diese Frage auch mich interessiert.
Willkommen im absolut letzten Teil des Feldes.

Ab ca. km 15 wurde es dann wirklich ungemütlich, aber was hatte ich erwartet, genau das. Ich wusste schon Tage vorher, dass die letzten km heute mehr Anstrengung fordern werden als sie es sonst schon tun. Ab jetzt musste ich jede noch so kleine Steigung gehen.

Auf der anderen Seite wusste ich aber auch - ich musste nur noch 5 km durchhalten. 5 km was ist das schon. Zieh ich noch 500 Meter Gehen an der letzten Verpflegungszone+Hügel ab und der letzte km zählt so wieso nicht, bleiben nur noch 3,5 km übrig. Komm schon. Endlich im Zielkanal.
Freude es geschafft zu haben gepaart mit der Erleichterung, dass es vorbei ist (6 Stunden und 35 Minuten). Die Frage „Warum man das überhaupt macht?“ bleibt weiter offen.

Glücklich, beseelt und müde ging es heimwärts.

Danke geht raus an meine Zwei Mit-Podiumskandidaten!

   
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