von Kerstin
Nachdem ich bereits vielfach von anderen befreundeten Athleten viel Gutes über diese Veranstaltung gehört hatte, stand ich in diesem Jahr nun erstmals an der Startlinie. Oder
zumindest in der Startaufstellung in Block H, einige hundert Meter dahinter, mit Björn an meiner Seite, der seinen Platz in Block B für mich „aufgegeben“ hatte.
Aber der Reihe nach: bereits am Samstag hatte sich Björn darum gekümmert, dass Bekannte von ihm unsere Startunterlagen abgeholt haben, so dass wir „erst“ um 07:00 Uhr am
Sonntagmorgen los mussten – der Start war um 10:50, aber aufgrund von zwei Autobahnsperrungen auf der Strecke mussten wir einige Umwege in Kauf nehmen. Das klappte
(zumindest auf dem Hinweg) problemlos, so dass wir gegen 09:30 bei Sandra und Winfried in Rosdorf eintrafen, um uns und die Räder dort startklar zu machen, bevor Winfried uns dann mit dem Rad zum Startbereich geleitet hat.
Es war schon beeindruckend, wie viele Radbegeisterte sich eingefunden hatten: insgesamt waren wohl fast 6.000 AthletInnen dabei, aufgeteilt auf die beiden Streckenlängen von 45km und 100km.
Nachdem um 10:25 die „Kurzstrecke“ gestartet war, suchten Björn und ich Block H, reihten uns dort ein und schon ging es los!
Das Anrollen verlief ohne Zwischenfälle und nachdem wir den neutralisierten Sektor durchfahren hatten, konnten wir gut Fahrt aufnehmen und rollten von Gruppe zu Gruppe bzw. wurde natürlich auch immer mal wieder von kleinen „Schnellzügen“ überholt – das Bild, das sich dabei bot, war wirklich besonders: ein langes Band von Radfahrer, das sich quasi kilometerlang durch die herrliche Landschaft mit frischem Grün an den Bäumen und sattgelben Rapsfeldern schlängelte.
Die Strecke verlief zunächst in südlicher Richtung aus Göttingen heraus in Richtung Friedland, unter der A38 hindurch, um dann in westlicher Richtung an die A7 zu führen – dort ging es ein Teilstück parallel zur Autobahn runter ins Werratal und auf die B80; leider hatten Björn und ich uns in der Abfahrt aus den Augen verloren und mussten kurz telefonieren, um abzuschätzen, wer wo ist… Björn meinte, er wäre hinter mir, aber ich sollte weiterrollen, weil er zu mir aufschließen würde!?
Er hat also ordentlich Gas gegeben und irgendwann war ihm – und auch mir – klar, dass er wohl doch vor mir sein musste. Ich hatte zwischenzeitlich einen anderen Athleten „aufgegabelt“, der ebenfalls seine Begleitung verloren hatte. So rollte ich einige Zeit mit ihm wunderschön an der Werra entlang, bevor die Strecke dann einen Schlenker mit einigen Höhenmetern und zwei stimmungsvollen Ortsdurchfahrten nahm – und kurz danach war ich auch mit Björn wiedervereint, dem irgendwann klar geworden war, dass er doch vor mir sein musste und am Wegesrand auf mich wartete!
Und nur wenige Meter weiter gab’s gleich das nächste Treffen: Rainer Wilkens vom RV Etelsen und seine Crew waren auch unterwegs. Ab Hannoversch Münden führte die Strecke wiederum sehr malerisch und mit tollen Aussichten in nördlicher Richtung an der Weser entlang. Bei km55 drehten wir dann bei und fuhren ostwärts „zurück“ in Richtung Göttingen: immer schön in kleinen „Wellen“, ein bisschen rauf, ein bisschen runter – und ich wurde immer gespannter auf den von Björn bereits vielfach erwähnten „Bergsprint“ am Hohen Hagen!
Am Ortsende von Dransfeld war es dann soweit:
Menschenmengen links und rechts der Straße, die einen anpeitschten, und dann tatsächlich ein Anstieg in eine Kurve rein – und ich dachte, das Ende der Bergwertung wäre am Scheitel… um dann festzustellen, dass dieser „Sprint“ eine Distanz von knapp 2.5km hat – ok, dann nochmal durchpusten und Kräfte gut einteilen.
Zwischenzeitlich waren es kurz mal 10%, aber nix, was mich wirklich geängstigt hätte – Björn radelte locker neben mir her und machte fleißig Videos mit dem Handy! Ok, ganz so entspannt war ich vielleicht nicht, aber ich bin mit den Filmsequenzen ganz zufrieden: die sahen technisch ganz ordentlich aus. Und nach diesem Anstieg ging’s es im wahrsten Sinne des Wortes bergab: bis Sieboldshausen haben wir abwechselnd mit einigen anderen die Abfahrt genossen und in den flacheren Passagen, die dann wieder Richtung
Norden in den (zum Glück nur leichten) Gegenwind gingen, hat Björn auch mal (kurz) deren Windschatten genießen können.
Und „schwupps“, waren wir zurück in Göttingen und im Ziel: nach 3:24:25 als 27. in meiner Altersklasse und auf Platz 233 insgesamt. Björn hat mir dann in der Zieleinfahrt noch den Vortritt gelassen und hat 3:24:26, Platz 403 seiner Altersklasse und Gesamtplatz 2390 auf seiner Urkunde stehen!
Nach ausgiebigen gegenseitigen Glückwünschen innerhalb unserer kleinen „Zieleinfahrtsgruppe“, holten wir uns die Finisher-Medaille ab und gingen quasi nahtlos zur Zielverpflegung über: es gab Freigetränke von Einbecker und diverse Portionen Pasta im Sonnenschein auf dem Hiroshima-Platz.
Schließlich rollten wir zurück nach Rosdorf, von wo aus wir uns nach einer kurzen gemeinsamen Kaffee-„Stunde“ mit Birte, Sandra und Winfried auf den „beschwerlichen“ Heimweg machten, bei dem wir leider gut eine Stunde vor der Autobahnausfahrt vor der Vollsperrung verbringen mussten – immerhin lief’s auf der
Umleitungsstrecke wie am Schnürchen und wir konnten noch das eine oder andere touristische Highlight bewundern.
Fazit: heute passte einfach alles – die Strecke, das Wetter, die Landschaft, die Begleitung; Björn ist der Hammer: zwischendurch hatte ich ihn schon „Rattenfänger von Hameln“ genannt, weil er immer wieder kleine Pulks von FahrerInnen hinter sich herzog! Etliche davon haben höflich angefragt, ob sie sich an „uns“ (also Björn) dranhängen dürften und haben ihn für seine Führungsarbeit gelobt / sich bedankt! Dem schließe ich mich aus vollem Herzen an, danke Björn – gerne wieder!




