von Jörg
Eigentlich war der Plan für das „100x100 Schwimmen“ in Buxtehude klar: Wir hatten eine Zweier-Staffel mit einer Abgangszeit von 2:00 min gemeldet sowie zwei Einzelstarter auf der 2:15-min-Bahn. Aber wie so oft kam alles anders als geplant.
Leider fiel Kristina verletzungsbedingt aus. Erik versuchte zwar noch, kurzfristig Ersatz für die 2:00-min-Staffel zu finden, doch die Suche blieb erfolglos. Nach der ersten Enttäuschung stand sogar kurz im Raum, gar nicht erst zu starten. Zu allem Überfluss erwischte Carsten kurz vor dem Event eine heftige Grippe – der zweite Ausfall.
Am Ende packte Erik jedoch der Ehrgeiz: Die ganze Vorbereitung sollte nicht umsonst gewesen sein, er wollte zumindest seine 5 km „abspulen“.
Der Startschuss: Allein unter Frauen
So machten wir uns am Freitagabend zu zweit auf den Weg nach Buxtehude. Nach dem Briefing um 18:00 Uhr fiel um 18:30 Uhr der Startschuss für die 2:15er-Gruppe. Ursprünglich war ich auf Bahn 1 eingeteilt, wechselte dann aber auf Bahn 2, damit zwei Schwimmer eines anderen Vereins zusammenbleiben konnten.
So landete ich als einziger Mann auf der Damen-Bahn 2. Ein kurzer Check der Pace-Zeiten in der Gruppe machte schnell klar: Das mit dem Wasserschatten wird heute schwierig. Die erste Schwimmerin peilte eine 1:35 min pro 100 m an – weit jenseits meiner geplanten 1:50 min. Die anderen vier Damen reihten sich hinter mir ein, und so übernahm ich im ersten Satz die Führungsarbeit für die „Verfolgergruppe“. Ich merkte schnell: Heute war nicht mein Tag. Alles fühlte sich schwerfällig an, auch wenn ich das Tempo auf den ersten 2,5 km halten konnte.
Positionskämpfe und Verpflegungspausen
Im zweiten Satz mischten zwei Staffeln das Feld neu durch. Eine weitere Schwimmerin reihte sich vor mir ein (geplante Pace: 1:45 bis 1:50 min). Meine Hoffnung auf Wasserschatten keimte kurz auf, wurde aber enttäuscht: Sie schwamm eher eine 1:45er-Pace, die ich nicht halten konnte. Ich verlor etwa fünf Sekunden pro 100 m und fand mich – fast wie zuvor – an der Spitze meiner kleinen Gruppe auf Position 3 wieder.
Die kurzen Pausen waren kostbar. Riegel, Gelgummis, Iso-Drink und zwei Salztabletten mussten rein. Wer schon einmal versucht hat, in hektischen fünf Minuten einen halben Riegel zu zerkauen und runterzuschlucken, weiß, wie schnell die Zeit verfliegt.
Der Kampf gegen den eigenen Körper
Im dritten Satz (Kilometer 5,1 bis 7,5) wurde es hart. Das Feld war nun geteilt: Drei schnelle Schwimmerinnen vorne, dann ich mit zwei Verfolgerinnen im Schlepptau. Jetzt tat weh, was wehtun kann: Unterarme, Nacken, Schultern und Rücken. Meine Zeit verschlechterte sich weiter auf eine 2:00-min-Pace. Ein Versuch, die Führung abzugeben, um selbst einmal im Wasserschatten zu schwimmen, scheiterte nach nur 300 Metern – ich musste wieder nach vorne.
Aus dem Augenwinkel sah ich, dass Erik auf Bahn 4 ebenfalls in seine dritte Runde ging – für ihn war das zu diesem Zeitpunkt bereits das „Bonusprogramm“.
Im vierten und letzten Satz war es nur noch Quälerei. Rhythmus- oder Tempowechsel? Unmöglich. Im monotonen Dreierzug-Trott zählte ich die 100er nur noch rückwärts. Noch 15, noch 10, noch 500 Meter...
Das Finale
Zum letzten 100er wurde die Hallenbeleuchtung ausgeschaltet. Nur noch die Unterwasser-Beckenbeleuchtung brannte. Unter dem rhythmischen Klatschen der Zuschauer und Helfer wurden wir förmlich ins Ziel getrieben.
Ganz ehrlich: Genießen konnte ich die Atmosphäre in diesem Moment nicht – ich war einfach nur froh, dass es endlich vorbei war.
Die Ergebnisse:
- Erik: 7,5 km (Pace 2:00 min/100m)
- Jörg: 10 km (Pace 2:15 min/100m)
Als kleine Belohnung für die Strapazen bekamen wir eine eigens für dieses Event produzierte Kopfbedeckung.
Das Fazit
Man kann eine solche Distanz auch mit nicht ganz optimaler Vorbereitung schaffen – aber es macht deutlich weniger Spaß und ist verdammt schmerzhaft!





