von Björn
Einen Tag, nachdem ich mit der Mannschaft den Ligawettkampf in Wilhelmshaven absolviert hatte, bin ich in Bremen beim Gewoba City Triathlon auf der olympischen Distanz (1500 m Schwimmen, 40 Km Rad, 10 Km Laufen), an den Start gegangen.
Eigentlich von den Terminen her nicht optimal, aber beim Gewoba Triathlon hatte ich mich bereits letztes Jahr angemeldet, weil die Startgebühren gestaffelt sind und weil der Triathlon im Laufe des Sommers ziemlich sicher ausgebucht sein würde. Dies ist auf die immer größer werdende Beliebtheit von der noch recht jungen Sportart Triathlon und speziell dem City Triathlon zurückzuführen. Die Termine standen vor den Ligawettkämpfen zum Zeitpunkt meiner Anmeldung auch noch nicht fest.
Nachdem schon vor etlichen Jahren die Marathons in die Großstädte gegangen sind, erobern auch immer mehr andere Sportveranstaltungen, unter anderem Triathlons, die Herzen der Innenstädte wie jüngst die Finals (Deutsche Meisterschaften für auch teils moderne Sportarten, z.B. Klettern & Breakdance) in Hannover.
Der Gewoba Triathlon ging dieses Jahr mit einem neuen Teilnehmer- und Zuschauerrekord in seine 14. Auflage. Ausgangspunkt ist der Europa Hafen in der Überseestadt, wo auch die Schwimmstrecke ist.
Die Anfahrt mit dem Auto war sehr entspannt und unkompliziert. Ich konnte bis knapp einen Kilometer heranfahren und kostenlos parken. Dann bin ich ganz locker mit dem Rad zum Veranstaltungsgelände gerollt. Als erstes habe ich meine Startunterlagen abgeholt und mich für den Rad-Check-In vorbereitet. Aufgrund der begrenzten Platzverhältnisse und sich immer wieder durchkreuzenden Wege zwischen Zuschauern und Athleten hat man dieses Jahr erstmals einen Übergang mittels einer Gerüsttreppe über dem Einlaufkanal zur Wechselzone geschaffen. Dadurch ist man als Zuschauer und Athlet überall schnell hingekommen.
Durch die späte Öffnung der Wechselzone und die hohen Teilnehmerzahlen hat sich dieses Mal der Rad-Check-In doch länger als sonst üblich hingezogen, so dass die Starts um ca. 15 Minuten nach hinten verschoben werden mussten. Die Wettkampfbesprechung habe ich von der Schlange zum Rad-Check in verfolgt. Viel Neues gab es sowieso nicht. Außerdem konnte man hier die Wettkampfbesprechung online im Voraus einsehen.
Nachdem ich mein Rad abgestellt und meinen Wechselplatz eingerichtet habe, habe ich mir noch mal kurz die Ein- und Ausgänge der Wechselzone und meinen Radstellplatz eingeprägt und bin dann auch direkt zum Schwimm-Check in gegangen.
Gestartet wurde aus dem Wasser. Ich bin dann in der zweiten von drei Startgruppen mit fünf Minuten Versatz auf die erste Startgruppe gestartet. Man hatte noch circa fünf Minuten Zeit sich im angenehmen Wasser von ca. 24 Grad, was für die U 60 Athleten Neo Verbot bedeutet, einzuschwimmen. Ab 60 wird man wohl etwas dünnhäutiger. Dann kam auch schon der berühmte Satz, worauf sich alle freuten: „Der Start erfolgt in den nächsten 30 Sekunden.“.
Der Schwimmstart erfolgte ziemlich unspektakulär ohne großartiges Gedränge. Ich habe dann relativ schnell einen schönen Wasserschatten gefunden, der gleichmäßig und geradlinig geschwommen ist. Vom Gefühl hätte er noch etwas schneller schwimmen können, aber ich habe mir gedacht, bleib mal lieber dahinter, das passt schon. Es sollte heute noch anstrengend genug werden. Nach zwei gefühlt endlos langen Runden kam ich nach nicht ganz 33 Minuten( 32min 41s) aus dem Wasser. Besser gesagt, die lieben freundlichen Helfer haben mich aus dem Wasser gezogen.
Als ich wieder festen Boden unter den Füßen hatte, ging es dann bei mittlerweile über 30 Grad auf dem Beton der Hafenpromenade auf dem elendig langen, nicht enden wollenden Weg ca. 500 Meter zu Wechselzone, was aber auch zur Folge hatte ,das ich beim Lauf zur Wechselzone schon so einige schnellere Schwimmer überholen konnte. Während des Laufens hat der Moderator noch erzählt, dass sich Bremen nicht hinter Hamburg mit seiner langen Wechselzone zu verstecken braucht. Man brauchte auch keine Angst zu haben, dass man sich beim Radfahren mit dem nassen Trisuit erkältet. Der war nämlich schon in der Wechselzone nahezu komplett getrocknet.
Hier habe ich auch das erste Mal einen kleinen Vorgeschmack darauf bekommen, was mich heute noch alles erwarten würde. Als ich schließlich bei meinem Rad angekommen war, was ich auch leicht gefunden hatte, weil die Wechselzone doch schon recht übersichtlich war, habe ich mir dieses Mal beim Wechsel ein wenig mehr Zeit gelassen und mir meine Füße etwas genauer angeguckt. Weil die Räder auf Lehm mit feinem Splitt standen, wie man in Parks vorfindet, wollte ich es auf jeden Fall vermeiden, mir kleine Steine in den Schuh zu treten.
So lang der Weg vom Schwimmausstieg zur Wechselzone auch war, so kurz war der Weg vom Radstellplatz zum Radaufstieg auf der Straße am Hansetor. Keine 40 Meter.
Die Radstrecke war komplett für Autofahrer gesperrt und man konnte gleich gut Fahrt aufnehmen, da das erste Stück leicht abschüssig ging.
Nach ca. 200 Metern ging es dann in einer großen 90 Grad Kurve auf die Nordstraße bis zur Bremerhavener Straße und Werftstraße zur Waterfront, wo der erste von zwei 180 Grad Umkehrpunkten in Form eines U-Turns war. Ab da ging es genau gegenläufig bis zum Überseetor zurück .Von da noch mal kurz am Speicher 11 vorbei, wo der zweite 180 Grad Wendepunkt war. Anschließend über die Konsul-Smidt-Straße, zurück zum Hansator, wo sich auch mittlerweile jede Menge Zuschauer angesammelt haben, um die Athleten bei der Durchfahrt noch mal kräftig und lautstark anzufeuern.
Die Runde betrug nahezu exakt 10 Km und musste somit vier Mal gefahren werden. Die kreuzenden Straßenbahnschienen wurden rechtzeitig angezeigt und zusätzlich mit Tauen ausgekleidet, sodass man sie auch mit höheren Geschwindigkeiten gut und sicher überfahren konnte. Alles in allem eine richtig schöne, nahezu Topfebene, Drücker Strecke.
Das Radfahren lief trotz der Vorbelastung vom Liga Wettkampf erstaunlich gut. Ich hatte die Arme immer, bis auf die Abbiegungen und Wendepunkte, auf dem Aufleger. Die Tachonadel, die ja keine Nadel mehr ist, stand fast immer bei 40 plus minus 1-2 km/h. Am Ende habe ich den Radsplitt mit einem leichten Lächeln im Gesicht, nach einer Stunde und 2 Minuten mit einem 39er Streifen beendet. Das Radfahren hat mir heute besonders viel Spaß gemacht. Aber das mit dem Spaß sollte sich heute noch im Laufe des Wettkampfs ändern. Bekanntlich liegen Freud und Leid ja oft eng beieinander.
Nachdem Radabstieg sollte es auch schlagartig richtig heiß werden. Aber dafür hatte ich auch diesmal wieder jede Menge Platz, mein Rad abzustellen. Nach dem Wechsel, wieder etwas langsamer, dafür gründlicher, ja keine Steine einfangen, ging es auf die Laufstrecke.
Durch die unterschiedlichen Startzeiten hatte man keinen Überblick, wo man gerade im Wettkampf steht, aber dieses Mal wurde gerade angekündigt, dass die erste Frau jetzt auf die Laufstrecke ging.
Die Temperaturen hatten mittlerweile 34 Grad erreicht. Wohl gemeint im Schatten, aber den gab es auf der Laufstrecke nahezu sowieso nicht. Abgesehen von den beiden Brückenunterführungen von Bürgermeister-Smidt- und Stephanibrücke. Die Laufstrecke ging von der Wechselzone aus über das alte Kellogg's Areal runter zur Weser entlang der Hafenpromenade bis hin zur Schlachte, wo nach 2,5 km der Wendepunkt erreicht wurde. Von da genau gegenläufig wieder zurück. Die Runde musste zweimal gelaufen werden. Als ich auf meine erste Laufrunde gegangen bin, kam mir das Fahrrad mit dem Führenden entgegen, der gerade auf seine zweite und letzte Runde einbog.
Ich bin mit einer 4:25 Pace gestartet und hatte insgeheim gehofft, diese Geschwindigkeit halten zu können. Und sonst nicht allzu stark einzubrechen. Aber die Hitze und hat mir dann doch ganz schön zu schaffen gemacht (ihr merkt, ich suche schon wieder nach Ausreden), sodass ich runter gehen musste auf 4:45, und auch das konnte ich zum Schluss nicht mehr halten, sodass ich den letzten Kilometer mit einer 5er Pace gelaufen bin.
Auf der Laufstrecke gab es zwar Abkühlung in Form von einer aufgestellten Gartendusche und an den Verpflegungspunkten gab es Schwämme und Wasserbecher, die man sich übergießen konnte. Aber so schnell wie man runter kühlte, gingen die Temperaturen auch wieder rauf, was bei der Strecke kein Wunder war. Hier gab es nur Beton von unten und größtenteils auch von der Seite. So hohe Temperaturen habe ich bis dahin auch noch bei keiner olympischen Distanz erlebt.
Auf der Laufstrecke habe ich noch den einen und anderen überholt, wurde aber auch von genau so viel anderen überholt. Während des Laufens habe ich auch meine drei Lieblingssportarten neu sortiert und das Schwimmen ging da ein ganz gewaltiges Stück nach oben. Oh wie schön war es doch noch vor zwei Stunden im Wasser!
Dann aber noch zweimal abbiegen und den Zielbogen vor Augen ging es dank der vielen Zuschauer unter einer stadionähnlichen Atmosphäre nach (47 Minuten Laufen) 2 Stunden 27 Minuten und 0,2 Sekunden als 45ter und 5ter in der Altersklasse ins Ziel.
Nach einer gewissen Verschnaufzeit und dem obligatorischen Abklatschen von alten Bekannten und neuen Gesichtern ging es dann erst einmal ran an die Schänke. Es gab diesmal, anders als in Wihlemshaven, in ausreichender Menge richtig gut temperiertes Becks blue-lemon direkt aus dem Kühlschrank. Die erste Flasche ging runter wie das berühmte Öl. Als ich durch Obst, frisch gebackene Waffeln mit Puderzucker und Laugenstangen wieder zu Kräften gekommen war und mich mit alten Bekannten ausgetauscht hatte, habe ich denn immer voller werdenden Zielbereich verlassen.
Ich bin dann zur Wechselzone, habe meine Sachen zusammengepackt und mich bei den Ordnern beim Rad-Check-out für ihre Arbeit bedankt. Kaputt, aber zufrieden bin ich nach Hause gefahren.
Mein Fazit: Es war mal wieder einer der Saisonhöhepunkte. Nächstes Jahr wieder. Nur dann als einer der jüngsten Starter in der neuen AK mit Angriff auf das Podium der Altersklasse.




